34ème Open de Cappelle la Grande
11.03.2018 - 07:57

Im vergangenen Jahr wurde das einst glanzvolle Open von Capelle la Grande aufgrund einer drastischen Budgetkürzung nur mit 216 Teilnehmern ausgetragen, darunter nur 35 Nicht-Franzosen, nur zwei GM und ein FM (Bericht). Es war jedoch wichtig, daß das Turnier 2017 nicht zu einem völligen Reinfall wurde: das hätte wohl das Ende der Turnierserie bedeutet. Daher wurde bei der Eröffnungszeremonie 2018 mehrfach den Spielern gedankt, die dem Turnier im letzten Jahr die Treue hielten. In diesem Jahr gab es wieder einen kleinen Aufschwung sowohl bei der Teilnehmerzahl, den vertretenen Nationen als auch bei den Titelträgern.

Zufällig war die Turnierwoche in Frankreich Woche des Frauenschachs (La semaine au feminin – Bienvenue au club d'échecs de votre ville). Aus diesem Anlaß wurden vor der siebten Runde den vierzig Teilnehmerinnen auf der Bühne Blumen überreicht. Darunter waren übrigens drei deutsche Nationalspielerinnen, die im Gesamtklassement einträchtig nebeneinander mit 6,5 Punkten auf den Plätzen 24 bis 26 landeten, und sechs Däninnen.

Da Dirk aus beruflichen Gründen ausfiel und sich kein geeigneter Ersatzkandidat bewarb, war unser Ferienhaus diesmal nur mit drei Spielern belegt. Armin und Manfred verloren in der 2. und 3. Runde nacheinander gegen ein 12jähriges indisches Talent mit Elo 2360. Das war umso weniger verwunderlich, als der Junge im weiteren Verlauf auch zwei erfahrene Großmeister schlug und eine IM-Norm erfüllte. Armin traf kurioserweise zum fünften Mal auf einen französischen Schachfreund, der zwar eine relativ geringe Elowertung hat, aber ein gewisses Talent, gegen stärkere Spieler Unentschieden zu erklammern, was ihm diebisches Vergnügen bereitet. Auch diesmal kam Armin nicht über ein Remis hinaus. Schmerzhaft für mich war, daß diesmal auch ich auf diesen Spieler traf, seine Abtauschorgien mitmachte und ein Springerendspiel erreichte, das ich – wohl zurecht – für gewonnen hielt. Doch bei der vermeintlichen Gewinnabwicklung verzählte ich mich um ein Tempo und das Ergebnis war: Remis! Wie üblich habe ich neun interessante Turnierpartien gespielt, die Ergebnisse folgten im allgemeinen der Eloerwartung, d.h. ich gewann meine Partien als Favorit mit der erwähnten Ausnahme, während ich als „Underdog“ nur einen halben Punkt (durch ultrasolides Weißspiel in der letzten Runde) holte. Insgesamt ist das zuwenig, um mich nach dem vor zwei Jahren erlittenen Eloeinbruch in der Weltrangliste wieder vorzuarbeiten.

Endstand:
1. GM Christian Bauer [FRA] 8/9 (+7=2)
2. GM Momchil Nikolov [FIDE] (BUL) 8 (+7=2)
3. GM Jules Moussard [FRA] 7,5 (+6=1-1)
4. IM Grzegorz Naguta [POL] 7,5 (+6=1-1)
141. Armin Bier [GER] 5 (+3=4-2)
143. Klaus Haverkamp [GER] 5 (+4=2-3)
201. Manfred Freialdenhoven [GER] 4 (+3=2-4)

9 Runden beschleunigtes Schweizer System, 360 Teilnehmer aus 28 Nationen, 6 GM, 22 IM, 22 FM, 2 GMf, 4 IMf, Gesamtklassement, Grille américaine


Autor: Klaus K. Haverkamp (vorsitzender@svherzogenrath.de)
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